Beschnittene Bankengewinne
Regulierungs-Dschungel
Die Ertragsstärke der Banken könnte langfristig leiden. Ein wesentlicher Grund sind die Pläne zur intensiveren Regulierung der Finanzinstitute und Forderungen, die Eigenkapitaldecke zu stärken. Zwei Vorhaben sind im Zentrum. Der eine ist Basel III, der andere die Volcker Rule.
Paul Volcker, fordert, dass die grossen Banken aufgebrochen werden. Zudem soll Banken, die Einlagen entgegennehmen, verboten werden, Eigentümer von Hedge Fonds zu werden oder in solche zu investieren. Untersagt wären auch Anlagen in Private Equity. Der Eigenhandel würde zudem beschränkt.
Basel III wiederum ist im Kern auf die Stärkung der Eigenkapitalbasis ausgerichtet. Die Eigenkapitaldecke soll dicker und ihre Qualität verbessert werden.
Neues Kapital muss her
Die Schätzungen über die Kosten der diversen Vorschläge variieren stark. Analysten der Credit Suisse rechnen für die europäischen Banken als Folge von Basel III mit Belastungen in der Höhe von 139 Mrd. Euro. Zudem würde die durchschnittliche Tier 1 Eigenkapitalrelation von 9,6% auf 8,1% sinken.
Die Experten von Morgan Stanley schätzen für Europas Banken einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 83 Mrd. Euro bis 2012. Oder die Institute müssten die risikogewichteten Vermögenswerte 10% zurückfahren.
Was die Folgen der Volcker Rule betrifft, würde sie die grossen US-Banken gemäss Analysen von Morgan Stanley 3 bis 5% der Gewinne kosten.
All diese Schätzungen sind mit viel Wenn und Aber behaftet. Das Thema Banken-Regulierung ist komplex und der Teufel steckt im Detail. Und genau das ist ein grosses Problem. Es ist für Investoren schwierig zu sehen, welche Konsequenzen die möglichen neuen Regulierungen haben. Anstelle neuer sprudelnder Gewinne könnten Dividendkürzungen oder Kapitalerhöhungen die Folge sein. So hat Morgan Stanley die Vorhersagen für die Dividenden für 2010 für mehrere europäische Banken gesenkt. Unter anderem für die CS Group, die UBS und die Deutsche Bank.
Die Unsicherheiten um die Konsequenzen der Regulierungen verteuern für Banken die Aufnahme von Kapital. Die Anleger werden aufgrund der schwieriger zu prognostizierenden Ertragsstärke höhere Renditen fordern. Verunsicherung besteht jedoch nicht nur bei den Investoren.
Auch die Banken dürften im Dunkeln tappen, wie umfassend die angemessene Eigenkapitaldecke sein muss und was letztlich zu welcher Kategorie Kapital gezählt wird. Da die Institute zurzeit sehr kritisch beobachtet werden, ist zu vermuten, dass sie im Zweifel eher zuviel als zuwenig Eigenkapital halten wollen.
Backlash
Mehr und qualitativ besseres Eigenkapital ist zu begrüssen. Nur steht dem ein Problem gegenüber. Unser System ist stark gehebelt. In den letzten Jahrzehnten wurden immer wieder die Schuldner gerettet. Das Geld billig gemacht. Die Abhängigkeit von viel und billigem Geld ist hoch. Haben nun die Banken Schwierigkeiten an ihre Eigenkapitaldecke zu stärken, sind sie gezwungen, ihre Bilanzen zu schrumpfen. Die Kreditvolumen müssen zurückgefahren werden. Kapital wird knapper und damit teurer. Dieser Vorgang ist per se nicht negativ. Dass eine nicht beliebig vermehrbare Ressource dem zukommt, der sie am besten einsetzt, ist in Ordnung. Da jedoch in unserem System viele Akteure von billigem Geld abhängig sind, hätte der Entzug von billigem Geld Konsequenzen. Nämlich dass jene, die das Kapital nicht intelligent einsetzen untergehen.
In der Folge steigen die Konkursraten, was zu vermehrten Kreditausfällen führt. Gehen mehr Unternehmen wegen knapper Kredite unter, kann das andere Firmen in Schwierigkeiten bringen. Auch Konsumkredite und Hypotheken von Mitarbeitern konkursiter Firmen könnten ausfallen. Die Folge wäre eine erneute Welle von Kreditausfällen.
Die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erhobenen Daten zeigen, dass die Banken schon jetzt ihr internationales Engagement zurückfahren. Von knapp 40000 auf nunmehr 35000 Mrd. $. Das steht in einem gewissen Widerspruch zu Umfragen, die nicht von einer eigentlichen Kreditverknappung zeugen.

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Der Widerspruch könnte sich dadurch auflösen, dass die Banken dazu tendieren wenn möglich nicht im heimischen Markt die Zügel anzuziehen. Hier sind sie stärker dem Druck der eigenen Bürger und der jeweiligen Politiker ausgesetzt. Allerdings können sie sich den neuen Realitäten auch im Heimmarkt nicht ganz entziehen. Das zeigt die Grafik der Kreditvergabe der US-Banken.

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Für die US-Banken kommt nicht nur durch die Unsicherheiten über die BIS-Regeln Druck auf das Geschäft. Probleme für die Gewinne gäbe es zusätzlich, wenn einige Grossbanken die von Volcker gemachten Vorschläge umsetzen und sich wieder verstärkt auf das klassische Kreditgeschäft konzentrieren müssten. Hier sind die Margen seit Jahren unter Druck.

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Neutralisierte Geldpolitik
Wenn die oben beschriebenen Prozesse tatsächlich in diese Richtung laufen, wird das ein Problem für die Notenbanken. Sie hoffen, mit billigem Geld, die Kreditvergabe wieder in Schwung zu bringen. Wenn nun die Banken die Kredite beschneiden, weniger Risiken eingehen, weil sie über künftige Regulierungen verunsichert sind und sie mehr Eigenkapital aufbauen wollen, dann läuft die Geldpolitik ins Leere. Oder die Wirkungsmechanismen laufen viel langsamer ab.
Geht man davon aus, dass die neuen Regeln von Basel III 2012 in Kraft treten, würde dies eine zweijährige Dürreperiode implizieren. Das ist lang für ein stark gehebeltes System, in dem viele Teilnehmer durch die lange Finanzkrise geschwächt sind.
Da die Notenbanken darauf ausgerichtet sind, Deflation nicht zu tolerieren, ist zu erwarten, dass sie als Gegengewicht zu der durch die Neuordnung des Bankensystems ausgelösten Kreditdeflation das Geld noch lange billig halten und noch mehr Liquidität ins System pumpen. Ein Beispiel für diese Deflationsphobie ist die Bank of Japan. Welche Auswirkungen das auf das Finanzsystem hat, ist schwierig zu sagen. Stabiler würde es jedoch sicher nicht. Das von den Notenbanken zusehends aggressiver in das System eingeschossene Geld wird zu neuen spekulativen Schüben führen. Diese können von neuen riskanten Carry Trades über höhere Rohwarenpreise bis zu steigenden Immobilienpreisen reichen.